SOAPBOXING

SOAPBOXING gibt Jugendlichen von 11 bis 18 Jahren der Jugendfreizeiteinrichtung V24 die Möglichkeit, eine Erzählbühne zu bespielen. Dabei soll die Tradition improvisierten Erzählens neu belebt werden und die unterschiedlichen Lebenswege und -hintergründe spielerisch erkundet werden. Terno Drom bindet Roma-Jugendlichen vor Ort explizit durch ihre persönlichen Geschichten ein. Durchgeführt wird das Projekt im Freien Forum Theater Düsseldorf.

Die Erfahrung zeigt, dass Jugendliche in Jugendfreizeiteinrichtungen gerade die Unverbindlichkeit und Offenheit der Angebote schätzen. Gerade für künstlerische Projekte ist es schwer eine Verbindlichkeit und Verlässlichkeit aufzubauen, da zu den angebotenen künstlerischen Formen und Ausdrucksweisen anfänglich kein Zugang oder keine persönliche Beziehung besteht. SOAPBOXING setzt genau an diesem Punkt an, erprobt die Frage der künstlerischen Beteiligung und sieht daher eine Gliederung in zwei Phasen vor. Die erste Phase dauert zehn Monate und entspricht dem Format BESUCH: Durch eine wöchentlich zweistündig stattfindende öffentliche Erzählbühne mitten im zentralen Aufenthaltsraum der V24 wird ein Ort für Austausch und Präsentation geschaffen. Die Jugendlichen vor Ort können neugierig und unverbindlich das Angebot nutzen während andere vor Ort, die Zuhörer, ihre Gedanken und Geschichten mitverfolgen. Jugendliche der V24 sind eingeladen, auf einer kleinen Erzählbühne mit einem Mikrophon und einem Stativ mitten in der Einrichtung Geschichten zu erzählen oder öffentlich zu Themen zu sprechen, die sie gerade bewegen. Zunächst wird Ingo Toben den Aufbau beobachten und durch den Aufbau die Einladung zur Nutzung des Mikrofons non-verbal aussprechen. Explizit sollen die Jugendlichen vor Ort nicht durch verbale Einladungen animiert werden, sondern durch die Anwesenheit des Mikrofons neugierig gemacht werden. Ingo Toben nimmt eine abwartende und offene Haltung ein, die Gespräche über das Projekt zulässt, aber nicht erzwingt. Wir erwarten, dass das Mikrofon zunächst performativ genutzt wird, und sich zur Performance von Raps (Rappgruppe vor Ort), Songs, Witzen etc. weiterentwickelt. Sobald das Mikrofon aus Eigenantrieb genutzt wird, beginnt ein Dialog. Dieser wird sich zu einem Gespräch über Geschichten und Storytelling entwickeln. Um durch die in SOAPBOXING entstehenden Geschichten und Improvisationen eine möglichst vielfältige und aktuelle Reflexion der Lebenswelt der Jugendlichen zu erhalten ist es wesentlich, dass es in diesem Projekt keine inhaltliche Zensur gibt, wohl aber Regeln des gegenseitigen Respekts. Es ist wünschenswert, dass es zu einer kontinuierlichen Durchmischung von Performern und Zuschauern/Zuhörern kommt. Die in konventionellen Theaterformen etablierten Trennungen zwischen Probe und Aufführung, zwischen Intimität und Öffentlichkeit sollen in SOAPBOXING ganz bewusst nicht benutzt werden und stattdessen versucht werden, durch eine kontinuierlich aufgebaute Beziehung zwischen Regisseur und Jugendlichen eine Vertrauensbasis für öffentlich improvisiertes Erzählen und Sprechen zu schaffen. Es besteht die Möglichkeit, das Format auf den nahegelegenen Lessingplatz zu übertragen, wo durch eine Bürgerinitiative ein sozial benachteiligeter öffentlicher Platz neu belebt werden soll. BESUCH wird per Videokamera dokumentiert, das Material für die Phase GEGENBESUCH ins Theater übertragen. BESUCH findet seinen Abschluss in einem Sommerfest im FFT, bei dem die Ergebnisse präsentiert werden und der Übergang zu GEGENBESUCH erleichtert wird.


In SOAPBOXING-GEGENBESUCH laden das FFT und Ingo Toben diejenigen Jugendlichen, die in der Phase BESUCH ein kontinuierliches Interesse an der Zusammenarbeit in diesem Projekt gezeigt haben, ein, mit Ingo Toben zusammen im FFT eine Aufführung auf der Basis von improvisiertem öffentlichen Erzählen zu erarbeiten. Zusätzlich besuchen die Teilnehmer gemeinsam mit Ingo Toben mindestens zwei Aufführungen im FFT und diskutieren die Theatererlebnisse in der Gruppe.

Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung